Die innere Leere spüren

Deine Ängste und Probleme als Wegweiser verstehen lernen

Frau, die vor irgendetwas davonläuft
Das Gefühl zu laufen, ohne von der Stelle zu kommen...

letzte Aktualisierung am 29. Juli 2021 durch Redaktionsteam

ein Beitrag von Jessica Arndt

Ich genieße es sehr, tief in Frieden mit mir zu sein. Es gelingt mir nicht immer, manchmal bin ich sogar recht weit davon entfernt.

Laufen, ohne von der Stelle zu kommen

Dann spüre ich so eine Leere in mir, so eine Sehnsucht. Ohne zu wissen, was ich eigentlich suche.

Es ist wie in einem Traum: man läuft und läuft und kommt nicht von der Stelle.

Man will weg, möglichst schnell, und rennt ziellos umher. Wo will ich hin? Leider weiß ich es nicht.

In solchen Situationen hilft mir tatsächlich Bewegung. Ich bin ein Naturmensch. Schon seit meiner Kindheit. Allein im Wald spazieren gehen oder laufen, am Meer die Füße ins Wasser halten oder in den Bergen die klare Luft atmen und die Weite aufnehmen.

Achtsamkeit durch Laufen trainieren

Reinemachen im geistigen Tempel

Dabei kann ich anfangen, in meinem Inneren aufzuräumen. Anfangen, meinen geistigen Tempel auszufegen, groß Reinemachen sozusagen.

Und langsam schauen, womit sich der Leere begegnen lässt. Was sie braucht. Was ich brauche, um mich wieder zu spüren, um meine Umwelt wieder wahrzunehmen. Und wieder mit offenen Augen und offenem Herzen durchs Leben zu gehen.

Den kleinen Dingen im Leben und dem Eindruck, den das auf mich gemacht hat, ist es zu verdanken, dass ich mich mehr mit der Thematik psychischer Unterstützung und Hilfestellung für bedürftige Menschen beschäftigt habe.

Es ist so wichtig, füreinander einzustehen und da zu seinSeelensorge zu betreiben. Damit der Schmerz in der Welt kleiner werden kann.

Und wieder mit offenen Augen und offenem Herzen durchs Leben zu gehen.

Den kleinen Dingen im Leben bewusst werden. Andere Perspektiven einzunehmen und zu erkennen, dass jeder Mensch sein ihm möglichstes gibt.

Zumindest in der jeweiligen Situation.

Auch wenn es nicht das ist, was vielleicht mit meiner Vorstellung übereinstimmt. Diese Bewusstheit hat etwas mit Nachsicht zutun. Mit Wohlwollen anderen gegenüber. Und es ist unglaublich, wie schwer es einem manchmal fällt!

Am schwersten fällt es mir dabei oft, meine nächsten Mitmenschen so anzunehmen, wie sie sind. Ich suche den perfekten Partner, will die perfekten Kinder und natürlich den perfekten Job. Nur leider funktioniert es so nicht. Ich bin nicht perfekt.

Wie keiner von uns. In keinster Weise. Ich fange dann an,  andere zu kritisieren, bin unzufrieden und oftmals schlecht gelaunt. Null Toleranz, null Wertschätzung, null Liebe. Weder für mich selbst, noch für meine Mitmenschen.

Die Spirale dreht sich und ich merke gar nicht, wie ich immer tiefer einsinke. Der Kreislauf scheint endlos. Aber wie kann ich ihn unterbrechen?

Wie komme ich raus aus diesem Hamsterrad?

Nicht mehr bereit zu Kompromissen

Ich bin nicht mehr bereit für Kompromisse. Weder im Job, in meiner Partnerschaft noch mit meinen Kindern. Stattdessen gehe ich raus aus meiner Komfortzone. Gehe andere, neue Wege. Sammle andere und neue Erfahrungen. Und lerne.

Es gelingt mir nicht immer. Gerade durch meine Kinder bekomme ich so unreflektiert einen Spiegel vorgehalten. Oftmals ist das so unangenehm, dass mir die Luft zum Atmen fehlt. Es scheint dann, als würde der Raum um mich herum immer kleiner und enger. Trotz aller guten Vorsätze und aller Versuche bricht es dann auch mal aus mir heraus.

Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass es auch mal so sein darf. Ob schön oder nicht, ist erstmal zweitrangig. Wichtig ist, dass ich mir wieder Raum nehme.

Nach Wegen für ein Miteinander suche. Und auch mal nach diesem Raum suche. Herzoffen schaue, wo eine Möglichkeit gegeben ist, diesen inneren Raum zu entfalten und ihn nach außen zu leben.

Wieder frei zu atmen. Und mich zu besinnen. Auf meine Stärke und Kraft in diesem inneren Raum. Auf die Liebe in mir. Auf das Lächeln in mir. Und einfach mal anzuerkennen, dass ich, wie alle anderen Menschen, in diesem Leben nach Lösungen suche.

Probleme und Ängste sind Lernaufgaben

Meine Probleme und Ängste sehe ich dabei oft nicht als das, was sie sind. Begleiter und Erinnerungen an meine Lernaufgaben und daran, wo meine größten Kompetenzen verborgen sind. Sie sind Einladungen, denen ich wohlwollend folgen darf. Mitten rein ins Leben.

https://getcreactive.de/deine-angst-ist-nur-ein-gedanke/

Menschen streben danach, einen Sinn zu finden. Mit dem was sie tun. Aber noch mehr in dem, was sie sind. Und genau das ist es.

Manchmal laufe ich auf diesem Weg etwas zu schnell vorwärts. Bin zu ungeduldig und auch mal zu unaufmerksam.

Wie oft denke ich dann an all die Lehren, die ich durchlaufen habe. All das Wissen, das ich erworben habe. Aber wende ich es an? Setze ich mich in dem Moment an die sprichwörtliche Weggabelung und horche in mich hinein, welche Abzweigung der weiseste und liebevollste Teil in mir gehen würde?

Nein, leider mache ich das nur selten. Oft bin ich unbewusst und achte zu wenig darauf.

Oder ich verschiebe es auf später. Nun liegen nicht umsonst an jeder Weggabelung und jeder Kreuzung Hinweise oder stehen dort Schilder.

Oder es gibt Geschwindigkeitsbegrenzungen. Sie dienen dem Innehalten und der Entschleunigung.

Ich denke oft an den koreanischen Mönchen Haemin Sunim. In Seoul betreibt er die „school for broken hearts“. Ein ehrenamtliches Projekt für Menschen, die psychisch erkrankt sind und Hilfe benötigen.

Diesem sozialen Engagement und dem Eindruck, den das auf mich gemacht hat, ist es zu verdanken, dass ich mich mehr mit der Thematik psychischer Unterstützung und Hilfestellung für bedürftige Menschen beschäftigt habe.

Es ist so wichtig, füreinander einzustehen und da zu seinSeelensorge zu betreiben. Damit der Schmerz in der Welt kleiner werden kann. Ich habe einen Artikel über diesen außergewöhnlichen Mann in einer Zeitschrift gelesen.

Haemin Sunim und seine Schule für gebrochene Herzen

Über seinen beruflichen Werdegang als Uni-Professor in Amerika und die tiefe Sehnsucht in ihm, eine tiefere Verbindung zu seinem Glauben zu leben und schließlich die Entscheidung, buddhistischer Mönch zu werden.

Buchtitel
Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen

Sein Buch “Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen“ gehört zu den herzlichsten Büchern, die ich kenne.

Auf meiner Weggabelung lag der Hinweis, doch mal wieder dieses Buch in die Hand zu nehmen. Nicht nur mal eben in Gedanken, sondern darin zu lesen. Und siehe da, in mir wurde es augenblicklich ruhiger, es kam mehr Frieden auf, mehr Verständnis.

Ich fand meine Verbindung zu mir wieder. Meine Bereitschaft zu erkennen, dass ich nicht perfekt sein muss, mein Partner nicht, meine Kinder nicht und auch nicht mein Job.

Oder um es mit den Worten von Haemin Sunim zu sagen: „Sei glücklich – nicht perfekt. Nichts muss perfekt sein. Es muss echt sein.“ Es ist alles genauso, wie es sein soll. Es ist vollkommen und strebt immer nach Balance und Liebe.

Und über die Liebe und den Raum in mir finde ich auch die Erkenntnis, dass wir immer alle miteinander verbunden sind. Zu jeder Zeit. Und ich wünsche mir, dass diese Liebe wächst. Damit die Verbindungen stärker werden und wir einander mehr und mehr bewusst begegnen.