Die Entwicklung der Liebesfähigkeit als ein Akt der Seele

Ein weiteres Plädoyer für die Selbstliebe

Frau telefoniert und trinkt Rotwein, während Partner wortlos dabei sitzt

letzte Aktualisierung am 21. Mai 2021 durch Redaktionsteam

Liebesfähigkeit als erlernbare Fähigkeit?

Bei uns zuhause stehen Liebesfilme, vor allem einschlägige Serien – gerne mit Vampiren und Dämonen, Hexen und sonstigen mystischen Wesen – zur Zeit hoch im Kurs.
Teenies können gar nicht genug davon bekommen, soviel wie möglich über die romantische Liebe à la Hollywood zu sehen und zu erfahren.

Dabei ist es so wunderbar zu sehen, dass die meisten Filme dem Muster einer Heldenreise folgen: zwei Menschen verlieben sich ineinander, müssen ein paar Abenteuer und Herausforderungen überstehen, finden sich, bekennen sich zueinander und schwören sich eine lebenslange Beziehung und vor allem eine nie endende Liebe.

Auf Heldenreise gehen: Lebe Dein eigenes Leben

Sind in den Filmen Vampire im Spiel, bekommt diese Endlosigkeit noch eine weitere Dimension. Soweit die nüchterne Betrachtung Hollywoods. Denn genau an dem Punkt endet so ein Film. Der Fortgang der beiden Menschen, ihr gemeinsames Leben, ihr Alltag, bleibt im Ungewissen.

Zu unspektakulär ist so ein gemeines Leben als Paar mit all seinen kleinen und großen Nöten.
Mit all den Entwicklungen, die so eine Beziehung im Laufe der Jahre durchmacht. Dabei beginnt die eigentliche Heldenreise erst, wenn der Alltag in die Beziehung einzieht: die Entwicklung der Liebesfähigkeit.

Am Anfang einer Partnerschaft ist das noch nicht so im Focus. Man schwebt auf rosa Wolken, baut gemeinsame Traumschlösser, realisiert sie, wird womöglich zu einer Familie durch gemeinsame Kinder und  die Jahre gehen ins Land.

Man lebt in scheinbaren Parallelwelten: meine Welt, Deine Welt, unsere Welt.

Und das realisiert man dann auch eines Tages: Dann ist “unsere Welt” aus den Fugen geraten.  “Meine Welt” ist nicht mehr vorhanden und “Deine Welt” unerreichbar.

Man fängt an, sein bisheriges Leben infrage zu stellen. Man begibt sich auf Sinnsuche. Nach dem “Ich”, nach dem “Du” und vor allem nach dem “Wir”.

Gemeinsame Werte als Basis einer Beziehung

Eine wesentliche Frage ist die nach der Basis der Beziehung – der Liebe füreinander. Daran anschließend stellen sich Fragen nach gemeinsamen Werten und nach der Wichtigkeit und Interpretation dieser für den Einzelnen.

Wo sind also die Liebe und die rosaroten Gefühle füreinander hin?

Wo sind die Treue- und Ewigkeitsschwüre abgeblieben, die man sich einst gab?
Welche Bedeutung misst man ihnen bei?

Häufig kommt es zum Supergau der Fragen: Haben wir uns überhaupt jemals wirklich geliebt? Haben wir wahre und bedingungslose Liebe füreinander empfunden?
Das ist sehr schwere Kost! Da dreht sich das Gedankenkarussell schon mal im Kreis.

Viele Menschen suchen dann ihr Heil außerhalb der Beziehung. Sie lassen sich auf  eine Affäre ein, suchen sich ein neues Hobby, um weniger Zeit mit dem Partner zu verbringen oder stürzen sich in die Arbeit.

Alles Vermeidungsstrategien, um sich bloß nicht mit sich, dem Partner und der Beziehung beschäftigen zu müssen.

Gemeinsam alt werden -ein überholtes Lebensmodell?

Um sich nicht der Frage stellen zu müssen, ob sie wirklich liebesfähig sind. Ob sie tiefe Gefühle und Berührungen des Partners zulassen können und selber geben wollen.

Die Nähe und Verbundenheit vom Anfang der Beziehung sind einem Misstrauen und einer scheinbar unüberbrückbaren Distanz gewichen. Nach dem Modell der Heldenreise begegnet man in dieser Zeit den Drachen und Dämonen. Und es wird anstrengend. Man hinterfragt alle Werte und alles, was einem je heilig war.

Die Ehrlichkeit zueinander, das entgegengebrachte Vertrauen, die Loyalität, die Achtung voreinander und die Wertschätzung. Es gibt noch so viele weitere wichtige Attribute, die man aufzählen könnte.

Doch was ist allen gemein? Alle sind Unterkategorien der Liebe und alle haben ihren Ursprung im Selbst: Selbstliebe, Selbstvertrauen, Selbstwert, Selbstachtung.

Die Beziehung zu Dir selbst. Pflegst Du sie nicht und achtest  Dich  nicht, gerät Deine Welt ins Wanken. Nun sind all diese Selbst-Wörter sehr geflügelt und sehr gern und häufig benutzt, ja fast Modewörter.

“Wenn Du Dich selbst liebst, ist es egal, wer Dein Partner ist.” Ein sehr provozierender Satz, der durchaus kritisch betrachtet werden kann.

Selbstliebe ist toll und wunderbar, sie sollte aber weder mit Selbstaufgabe noch in narzisstischem Verhalten verwechselt werden.

Bleibt man in der Liebe, herzoffen und voller Mitgefühl, gerät alles wieder in Balance. Die eigene Welt dreht sich wieder ruhiger und man braucht sich gar nicht so viele Fragen zu stellen. “Bin ich ehrlich?” – “Bin ich loyal?” – “Vertraue ich mir selbst und vertraue ich Dir?” werden so nicht mehr  gestellt.

Man erkennt, dass es um die Liebe als wesentlichen Kern geht. Es geht um die Liebesfähigkeit – die größte Abenteuerreise eines jeden Lebens. Und die Essenz unserer Seele.

Beschäftigt man sich auf spiritueller Ebene mit dem Sinn des Daseins, ist es das, was dabei herauskommt: Alles ist Liebe und Liebe ist alles.

Nun ist das ja schön und gut. Geflügelte Worte, die so kaum praxistauglich sind. Und das ist es doch, was sich jeder wünscht. Eine Anleitung zum Lieben.

Nun, eins vorweg. So einfach gestaltet es sich nicht. Es ist ein Prozess und ein langer Weg. Und er führt zu einem selbst. Unsere Partner sind unsere Begleiter.

Denn auch sie befinden sich auf diesem Weg. Sie zeigen uns Verhaltensmuster, Glaubenssätze und halten uns sprichwörtlich den Spiegel vor die Nase. 

Mein Partner versteht mich nicht?

Doch bis wir anfangen, dies zu erkennen, ist die Kluft noch größer geworden. “Mein Partner versteht mich einfach nicht!” – “Wir haben uns nichts mehr zu sagen!”

Das Leid bei den Beteiligten wird immer größer. Und der Rückzug voneinander immer konkreter.

Anstatt in den vorgehaltenen Spiegel zu schauen, deckt man ihn zu. Und vergisst, dass nicht der Spiegel schmutzig ist, sondern das Gesicht!

Was fehlt, ist der Mut das eigene Gesicht im Spiegel anzuschauen. Sich selbst im Spiegel zu erkennen und wahrzunehmen, was es braucht. Sich selbst in die Augen zu sehen und sich selbst ein Lächeln zu schenken.

So, nun ist das ja alles schön und gut. Richtig weiter bringt es einen auf dem Weg zu mehr Liebesfähigkeit aber noch nicht. Es ist ein erstes Erkennen des Selbst. Eine Begegnung mit der Seele. Und eine Möglichkeit, sich wieder bewusster wahrzunehmen. Sich selbst zu spüren mit all den widersprüchlichen Gefühlen und Empfindungen.

Und darüber die Klarheit zu erlangen, dass dieser Prozess jedem von uns bevorsteht und dass ihn jeder von uns durchmacht. Und dabei zu verstehen, dass jeder nur sich selbst ändern kann, niemals den Partner.

Es gibt allerdings eine andere, sehr wichtige und wesentliche Komponente auf dieser Heldenreise zur Liebesfähigkeit: mit dem Partner reden. Ihn wieder in das eigene Leben und Erleben einladen.

Ihm gemeinsame Zeit schenken. Mit offen Armen und offenem Herzen auf ihn zugehen. Und ihm und sich selbst vergeben.

Immer mit der Erkenntnis, dass alles, was er einem vermeintlich angetan hat, nur seiner eigenen Entwicklung diente. Und man es ebenfalls für sich nutzen kann. Und auch, dass jeder immer zu 100% eigenverantwortlich handelt.

Selbstliebe: Wie sie Dein Leben verändern wird

Selbstliebe ist der Schlüssel

Diese Heldenreise findet kein wirkliches Ende. Sie geht immer weiter. Das Ziel ist die vollständige und bedingungslose Liebe zu uns selbst.  Dann brauchen wir unseren Partner nicht als Erfüllungsgehilfen.

Wir können einfach mit ihm sein. Offenen Herzens und aus tief liebender Seele.

“Der Sinn unseres Lebens ist einzig und allein zu lieben. Bedingungslos und grenzenlos. Unendlich und immer mit allem verbunden. Selbstliebe ist der Schlüssel dazu.”

Jessica Arndt